Samstag, 20. Februar 2016

El Condor im Colca Canon


Er ist der Vogel aller Vögel in Peru. Der Vogel der Superlative. Der Vogel, genannt „Fliegender Götterbote“. Es ist der mächtige Kondor, nach dem Strauß in der Größenhierarchie die Nummer zwei der Flugtiere. Wir haben das Glück, jetzt im Februar, wenn die Kondore eigentlich in Richtung Meer ins Warme ziehen, beim Aussichtspunkt Mirador del Cruz an die zehn dieser etwas hässlichen, aber sehr anmutigen Vögel zu beobachten. Elegant nutzen die 1,30 m großen und sage und schreibe bis zu 15 kg schweren Kondore die Thermik des frühen Morgens, um in großen Kreisen majestätisch durch die Lüfte zu schweben. Mit ausgebreiteten Flügeln erreicht das fliegende Symbol der Anden an die 3 m Spannweite. Kaum zu glauben, dass der in Wildbahn lebende Andenkondor an die 40 Jahre alt wird und dabei nur alle zwei Jahre ein Ei ins Nest legt. In der Mythologie fast aller altperuanischen Kulturen und später auch bei den Inka galt der Kondor als Mittler zwischen Himmel und Erde. 

Reisetipp: Der Colca Canyon gilt als einer der tiefsten der Welt. Normalerweise werden Touristen nach einer Übernachtung zur nächsten Tour weitergeschoben. Wir bleiben ganz abnormal eine Nacht mehr und genießen tags darauf eine zweistündige Vormittagswanderung ab Corporaque. Wer mehr Zeit hat, kann in dieser einzigartigen Gegend wunderbare Trekkingtouren unternehmen.

Freitag, 19. Februar 2016

Wenn die Erde bebt: 5,3 auf der Richterskala


Einmal den Patampa-Pass mit fast 5.000 Höhenmetern überquert geht es in wunderbarer Landschaft durch das Vulkangebiet in Richtung Chivay. Unweit davon im kleinen Dörfchen Coporaque haben wir uns einquartiert. Der erste Regen ist gefallen und wir haben eine wunderbare Aussicht auf die von der Inkakultur angelegten Terrassen, wo das Wasser gesammelt wird, damit in der eigentlich ansonsten unwirtlichen Gegend Landwirtschaft betrieben werden kann. Viel Grün umsäumt die Gegend und lässt vergessen, dass wir uns auf regem Vulkangebiet befinden. Marco befindet sich gerade im Badezimmer, ich liege im Bett, als es plötzlich energisch wackelt. Noch während ich überlege, ob es wohl gescheiter wäre, das Zimmer zu verlassen, ist es auch schon vorüber. Was bei uns groß in den Medien als halbe Katastrophe gelten würde, lässt die Peruaner relativ kalt. Als wir tags darauf unseren Guide auf das Erdbeben ansprechen, meint er bloß "Ah, es solo un muovimento..." Nur eine Bewegung, nichts Besonderes, kommt ständig vor. Ein Erdbeben ist es erst, wenn die Häuser zusammenfallen. Immerhin waren es doch 5,3 auf der Richterskala und das Epizentrum in Maca, in einem der nahegelegenen Dörfer. Anscheinend hat es die ganze Nacht noch weitere kleinere Bewegungen gegeben, aber da haben wir dann unter den dicken Decken geschlafen, so dass sogar das Umdrehen beschwerlich war.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Arequipa


Nachdem es uns beide nicht hinzog, haben wir den Besuch und Flug über die Nazca-Linien ausgelassen. Mit dem Bus ging es direkt weiter nach Arequipa (12 Stunden). Arequipa ist eine recht quirlige Stadt, umgeben von den Vulkanen Misti, Pichu Pichu und Chachani. Arequipa ist nicht nur ein guter Zwischenstopp, um sich an die Höhe zu gewöhnen (2.350 m), sondern bietet mit der Klosterstadt Sta. Catalina eine besondere Sehenswürdigkeit und lässt jedes Fotografenherz höher schlagen. Wer sich dazuzählt, plant am besten 3 Stunden in der "Stadt innerhalb der Stadt" Arequipa ein. Von den vielen Kirchen hat uns die Iglesia La Compania mit einer sehr feinen Energie und Atmosphäre gefallen. Ein paar Schritte weiter in der Calle Domingo befindet sich das ehemalige Jesuitenkloster mit wunderschönem Kreuzgang und eine wunderbare Möglichkeit, etwas in die Stille zu flüchten.

Reisetipp: Wir haben im Hostal El Patio de Elisa übernachtet und uns sehr wohlgefühlt. Leckeres Frühstück. Die Weiterreise mit verschiedenen Transfers und Guide für den Colca Canyon haben wir über das Reisebüro "Colonial" organisiert. Preislich sehr fair (eine andere Agentur wollte uns das Doppelte abknöpfen!) und alles hat wunderbar geklappt. Wirklich empfehlenswert!

Dienstag, 16. Februar 2016

B&B unter Sternen


Wir wurden quasi von einem Tubolares entladen und in ein anderes umgesiedelt. Auf dem Plan stand eine Übernachtung in der Wüste mit Grillen am Lagerfeuer. Wir erwarteten weitere Teilnehmer, vor allem, nachdem wir gesehen hatten, was alles an Kisten und Behältern aufgeladen wurde. Doch es blieb beim Jesus, dem Fahrer, und Jeremis, dem Koch. Soeben zurück aus der Wüste ging es diesmal etwas weniger turbulent wieder hinein, bevor wir in einer windgeschützten Mulde Halt machten. Ruck zuck stand auch schon ein Tisch und im Handumdrehen hatte uns Jesus einen wunderbaren Drink gemixt aus Pisco, Sprite und Zitronensaft. Während wir gemütlich unseren Apertiv schlüften, entfachte Jeremis bereits das Feuer. Bald schon blieben wir dann mit dem Koch und Jesus Hund Ringo alleine zurück, in der Wüste unterm Sternenhimmel. Der Abend wurde wirklich sehr nett und Jeremis tischte uns königlich auf. Die Zeit verging im Flug und um halb zwölf nachts stellten wir dann im Dunkeln das Zelt auf und überließen unsere Träume dem Wüstensand.

Montag, 15. Februar 2016

Wüsten-Adventure bei Ica


Ica selbst hat für Touristen wenig zu bieten, doch nur ein klein wenig außerhalb liegt die Oase Huacachina, ein kleiner, leicht schwefelhaltiger See, umgeben von Palmen und hohen Sanddünen. Es sind dies die höchsten Sanddünen Südamerikas und es erwarten uns wahrlich abenteuerliche Stunden. Zu zehnt ging es los mit einem der recht futuristisch anmutenden Tubolares (Buggies) ... bzw. ... es sollte losgehen. Schon beim ersten ruckeligen Anlauf schaffte es unser Tubolares nicht rauf, so dass wir rückwärts nochmals Anlauf nehmen mussten. Nach dem ersten Durchschütteln brauste der Fahrer Arturo über die Wüstenhochebene, bevor wir die ersten Dünen runterbretterten. Ein klein wenig mutet es schon an wie eine Fahrt mit der Achterbahn. Doch bald schon kommt der Stop, bei dem wir auf der "Babydüne" sandboarden üben dürfen. Was so viel heißt, wie sich bäuchlings auf das Snowboard zu legen und mit Kopf voraus die Düne runterzusausen. Ab zum Mutterhügel. Arturo muss uns für sehr begabt gehalten haben, er brachte uns höher als andere Fahrer, ließ uns außerdem eine Kurve fahren und nach den ersten 15 Metern erwartete uns eine Klippe, wo man nicht so genau wusste, wie steil es dahinter runterging. Sagen wir es so: wir haben Arturo nicht enttäuscht ;) Mit Schwung und Schmackes rasten wir dann mit dem Tubolares die Dünen rauf und runter, bevor das Unvermeidliche eintrat: der Buggie blieb im Sand stecken. Der Motor ging aus und war wegen der Schieflage nicht mehr zum Laufen zu bewegen, die Sonne, die unterging, ringsum alle schon verschwunden. Nur mehr Wüste, so weit das Auge reichte. Nach anfänglichen Versuchen, mit vereinten Kräften den Buggie in eine bessere Lage zu bringen (die alle scheiterten), wurde unser Fahrer sichtlich nervös. Nach mehreren Telefonaten tauchte endlich Hife auf. Ein Fahrer mit Buggie seilte unseren Tubolares an und zog ihn mit rechter Gewalt so, dass die Reifen wieder frei waren und der Motor anging. Woraufhin unser Retter prompt selbst im Sand steckenblieb. Mit vereinter Manneskraft wurde Buggie II befreit und schon düste er über die Dünen von dannen. Erleichtert stiegen wir ein, doch oh Schreck: durch die rüde Rettungsaktion hatte die Felge ein Loch in das Gummi geschlitzt. Wir hatten einen Platten. Alle wieder raus aus dem Tubolares, Kopfkratzen, doch Arturo blieb optimistisch: er zückte eine Fahrradpumpe und begann, den Schaden zu beheben. Leider nicht mehr der Jüngste, ging ihm schon recht bald die Puste aus und großen Kulleraugen bat er erneut die Männer an Bord um Hilfe. Und dann ging es in rasantem Tempo in Richtung Oase, die Dämmerung im Nacken und bloß nicht stehenbleiben. Hier war das Wüstenabenteuer wahrlich nicht zu viel versprochen.

Sonntag, 14. Februar 2016

Nationalreservat Paracas


Das 3.350 km2 große Naturschutzgebiet bietet nicht sehr viel außer Sand. Sehr viel Sand. Und wenn der Wind weht, prickelnd stechender Sand. Es hat schon etwas, mit dem kleinen Bus durch die von Sand verwehten Wege zu fahren, doch außer zwei bis drei nette Stellen (La Catedral, Playa Rocha), wo man einen schönen Ausblick auf die Küste hat, ist hier nicht viel los. Eigenartig ist jedenfalls, dass die Wüste direkt auf das Meer trifft und trotz der Feuchtigkeit nichts auf dem Festland wächst. Wüste pur trifft Ozean. Zu früheren Zeiten war dies anders. Auf der Halbinsel wurden 1925 Hunderte von Grabstätten mit Mumien entdeckt, die in fein gewebte Textilien eingehüllt waren. Wir haben auch etwas gefunden: ein wunderbares Mittagessen im Reservat bei "El Che". Alleine deshalb hat sich der Ausflug gelohnt.

Reisetipp: Abgesehen von dem himmlischen Mittagessen waren wir nicht so begeistert. Vielleicht wäre es interessanter, eine Wanderung oder Radtour entlang der Küste zu machen, anstatt mit dem Auto durchzugurken.

Islas Ballestras mit Starauftritt


Paracas ist von zahlreichen Inseln umgeben, die einer Vielfalt von Vögeln, Seelöwen und vielen anderen Tieren eine Heimat bietet. Mit einem der Boote geht es am Morgen recht hurtig Richtung Islas, wo wir zuvor eine 200 m große Zeichnung im festen Wüstensand, El Candelabro, entdecken. Das Symbol scheint mit den Figuren der Nazca-Linien zusammenzuhängen, doch auch hier weiß keiner so genau, wann, wie und zu welchem Zweck die Figur entstanden ist. Uns hat es jedenfalls Glück beschert: Delphine schwimmen uns entgegen, bevor sie wieder im Pazifischen Ozean entschwinden. Und dann hören wir sie auch schon: die Seelöwen, die einen ohrenbetäubenden Lärm veranstalten. Ein Kudelmuddel an dicken Leibern, die glänzend in der Sonne bei den Grotten liegen und sich wer weiß was zu erzählen haben. Hin und wieder entdecken wir einen Seebären, der sich schwerfällig wie ein überdimensionaler Blutegel (allerdings mit hübscherem Gesicht) die Sonne auf den Rücken scheinen lässt. Wir schippern weiter durch die Inseln, sehen tausende von Vögeln, Pelikanen und den sogenannten Zarcillos, bevor "er" seinen großen Auftritt hat: der legändere Humboldt-Pinguin, ein kleiner Mini-Pinguin, mutterseelenalleine zwischen den Pelikanen und anderem Gefieder.

Reisetipp: Die Bootstour unbedingt in der Früh machen, denn es wird sehr heiß (Februar). Und etwas zum Trinken mitnehmen.